Kategorien
Kommunikation

Chat oder Besprechung

Der Founder von Help Scout schreibt im Firmenblog ĂĽber mehr Facetime in ihrem Remote-Team. Dies ĂĽberrascht mich. Vor allem weil ich von Help Scout immer wieder Anleitungen zu Erfolgreicher Remote-Arbeit gelesen habe.

Die übermässige asynchrone Kommunikation habe zu Missverständnissen, langsamen Projekten und schlussendlich Frustration geführt. Wenn ich das lese, fällt mir ein Stein vom Herzen. Nicht, weil ich Help Scout keine erfolgreiche Remote-Kultur gönne, vielmehr weil ich im Job einer der Face to Face-Fraktion bin, je länger je weniger Konversationen per Chat führen möchte und dafür nicht immer Lob und Verständnis ernte.

Seit Pandemie-Phase im März 2020 arbeitete ich bisher ausschliesslich von zuhause. Das sind nun bald 4 Monate. Dabei sind mir Vorzüge dieses Arbeitens aufgefallen, die mir bisher verborgen blieben und ich hier gerne teilen würde:

  • Fokus: Ich habe den Luxus, alleine in einem Sitzungszimmer unserer Liegenschaft arbeiten zu können. Das fĂĽhrt dazu, dass ich so gut wie nie gestört werde. Wenn ich den Firmenchat mute, das E-Mail-Programm schliesse und mein Handy auf lautlos schalte, dann fällt es mir recht einfach in eine Art «Deep Work»-Mode zu verfallen. Im BĂĽro ist das nur unter grösserem Aufwand und lauter Musik möglich.
  • Familie: Wenn ich aufs Klo gehe, sehe ich meine Kinder. Beim Mittagessen auch. Das ist schön, weil ich so gefĂĽhlt etwas mehr von ihnen mitbekomme, als ausschliesslich in den Morgen und Abendstunden.

Was mir dabei aber auffällt, was bei mir persönlich passiert:

  • Verbundenheit mit Arbeitgeber: Meine Verbundenheit mit meinem Arbeitgeber wird schwächer. Bei mir hat das tägliche zusammentreffen mit dem kompletten Team sehr viel ausgemacht, mich ĂĽber die Arbeit und deren Ziel verbunden zu fĂĽhlen. Das ist nur per Chat und seltenen Gesprächen ĂĽber nicht direkt Arbeitsrelevantem nicht ganz einfach.
  • Konflikte: Bei sehr viel schriftlicher Kommunikation wie Chat oder Interne Blogposts inkl. Kommentaren, gibt es aus meiner Sicht sehr viel Missverständnispotential. Das gibt es sonst auch – aber im Homeoffice ist die HĂĽrde, ein solches zu klären grösser. Man muss aktiv auf eine Person zugehen, sie anschreiben oder gar anrufen. Im BĂĽro trifft man die Person vielleicht spontan vor der Kaffeemaschine und fragt beiläufig, wie das gemeint war. So was ist im Homeoffice nur sehr schwer zu erreichen.

Homeoffice-Tipp: Niederschwellige Kommunikation über permanent verbundene Kanäle.

Von einer Firma habe ich mal gelesen, dass diese sessions machen, bei denen alle per Videochat verbunden sind, aber einfach arbeiten. Als ich das gelesen habe, dachte ich «die spinnen». Während meiner «Homeoffice Reloaded»-Periode, hat sich nun aber etwas etabliert, das ähnlich ist und mein Verständnis dafĂĽr massiv erhöhte: Wir starteten einen Teamspeak-Server. Darauf gab es zwar räume – aber man war quasi immer verbunden und eine Frage zu stellen, war ganz simpel und niederschwellig.

Es entstanden auch einige spontane und nicht Arbeitsspezifische Gespräche – wie im richtigen BĂĽro halt auch. Es hatte teilweise halt auch wieder den Nachteil, dass man gestört wurde wie im richtigen BĂĽro.

Es hat aber aus meiner Sicht potential, die beiden oben genannten negativ-Punkte des Homeoffices stärker positiv zu beeinflussen, als die positiv-Punkte negativ. Somit VOTE für eine Art niederschwellige mündliche bei allen Arten von Homeoffice.